Was kann mit der Holistischen Betrachtung gelernt werden?

Nachfolgend sind 14 Themen aufgeführt, die mit der Anwendung der Holistischen Betrachtung eine erweiterte Sicht und vertieftes Erleben ermöglichen. Wie weitreichend und umfassend dies geschehen soll, ist von der Motivation eines jeden Einzelnen abhängig.

1) Im eigenen Körper anwesend sein

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die bei genauerem Hinsehen jedoch mehr einer Kunst gleichkommt. Schon die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Kontakt mit einem Gegenüber ist eine Herausforderung, die in einem therapeutischen Prozess (Beziehung halten, Prozess steuern, Verletzungen halten, Raum geben, usw.) schnell zur Überforderung werden kann. Das bewusste Anwesend-sein, die Präsenz, stellt eine Basis-Kompetenz dar.

2) Auflösen der Angst

In vielen Situationen und Beziehungen erleben wir Ängste. Manchmal sind uns die Ängste bewusst und manchmal nehmen wir sie nicht wahr, da sie schon immer da waren. Ängste bewirken einen Rückzug, wir meiden die Situationen und Beziehungen, der Atem stockt. Dieses (Abwehr)verhalten erklären wir danach mit objektiven Gefahren, es werden fixe Ideen daraus. Die Ursache der Angst gründet in unseren Prägungen und Erfahrungen und der damit einhergehenden eingeschränkten Wahrnehmung. Mit dem Erkennen der ursächlichen Prägung und Erfahrung kann die Angst aufgelöst werden. Angst hat nichts mit gesunder Vorsicht zu tun.

3) Beziehungs-Gestaltung

Beziehungs-Gestaltung beginnt damit, dass wir zu einer oder mehreren Personen in Beziehung treten und uns sprachlich und energetisch austauschen. Je nach Rolle, die wir in einer Situation innehaben wie z.B. Eltern-Kind, unter Kollegen und Kolleginnen, am Arbeitsplatz oder in der Therapie, ist die Beziehung verschieden zu gestalten. Besonders in der Therapie sind mit den Klienten verschiedene Beziehungsformen zu leben. Diese reichen von der gleichberechtigten Beziehung zwischen zwei erwachsenen Menschen bis zur Bindung, wo sich der Therapeut mit seinen Ressourcen dem Klienten zur Verfügung stellt und die Beziehungs-Gestaltung verantwortet. Der Therapeut soll die verschiedenen Beziehungsformen je nach Bedarf anwenden können.

4) Annehmen des Gegenübers (Räume der Klienten vergrösseren)

Das Gegenüber annehmen bedeutet ein Gleichsein mit dem Anderen. Damit haben die stofflichen und geistigen Bedürfnisse des Anderen den gleichen Stellenwert wie die eigenen. Indem wir unser Gegenüber als Mensch annehmen, lassen wir bei ihm grössere Räume, höhere Lebendigkeit zu.  Gewöhnlich nehmen wir die äusseren, bewerteten Attribute des Menschen wahr und beharren auf der Bewahrung derselben, wie wir auf der Bewahrung der Raumgrösse bestehen. Dies sind unbewusste gesellschaftliche Normen, denen alle Menschen unterliegen.

5) Prozesse gestalten (Veränderungen)

Ein Prozess ist das vollständige Erfahren einer Situation. Damit wird die Situation neu und anders erlebt. Diese Veränderungen gehen stets mit Wohlbefinden und einer erhöhten Lebendigkeit einher. Unsere Erfahrungen sind vielfältig geprägt und selten vollständig, wodurch in einer Situation stets das Gewohnte, das Gleiche erlebt wird. Die geglückte Gestaltung der Prozesse beinhaltet somit eine vollständige Erfahrung zu einem Thema und kann durch das neue Erleben und dem Wohlbefinden überprüft werden.

6) Energie-Übertragung (Bewusstsein)

Der Mensch braucht neben der stofflichen Nahrung auch geistige Energie. Die bekanntesten Energietore sind die Chakras, die aus verschiedenen geistigen Ebenen Energie ins Selbst und in den stofflichen Körper einfliessen lassen. Mit dem bewussten Zugang zu den verschiedenen Ebenen, speziell dem Bewusstsein, kann die Energie-Übertragung gestärkt werden. Die Herausforderung für die Therapeuten besteht oftmals darin, dass die Energie-Übertragung vom Bewusstsein zum Klienten und nicht vom Therapeuten zum Klienten stattfinden soll.

7) Den freien Willen benutzen (Kommunikation mit DNS)

Jeder Mensch hat seinen freien Willen, der von den Meisten jedoch wenig benutzt wird. Sich einer Gruppe zugehörig fühlen und sich gemäss ihren Schemata zu verhalten ist „normalerweise“ wichtiger, als selbstbestimmte Gedanken und selbstbestimmtes Verhalten. Alle Regeln, die auf objektive Tatsachen verweisen oder richtig und falsch beinhalten, unterstützen das Fremdbestimmte. Indem wir unseren freien Willen benutzen, können wir uns mit dem Bewusstsein verbinden und mit dem Selbst und unserem Körper kommunizieren, bis auf die Ebene der DNS.

8) Ressourcen des Therapeuten für den Klienten nutzbar machen

Die Ressource der Therapeutin/Beraterin ist ihre persönliche Gestaltung des Lebens sowie die Gestaltung der Beziehung zum Gegenüber. Um eine Veränderung anzustossen, muss die Therapeutin/Beraterin Vorbild sein. Das Gegenüber/die Klientin kann jetzt die energetischen Muster der Therapeutin/Beraterin in sich aufnehmen auf auf ihre Art erleben.

9) Transformation von Neuem ins Leben

Woher kommt das Neue, das Kreative in unser Leben? Was ist geschehen, wenn wir ein Aha-Erlebnis haben? Das Neue tritt in unser Leben, wenn eine Bindung mit der geistigen Welt, dem Bewusstsein besteht. Bewusstsein bedeutet hier das Geistige des Lebens, das, was wahr ist. Mit dem Bewusstsein erschliessen wir uns eine Quelle für neue Muster zur Bewältigung unseres Lebens. Die Muster aus dem Bewusstsein beinhalten stets ein Mehr an Möglichkeiten zur Lebensbewältigung.

Die Transformation ist eine Übertragung der geistigen Inhalte in die dichteren Ebenen des Menschen bis in den stofflichen Körper und notwendige Voraussetzung für das individuelle Wachstum.

10) Das Leben aus energetischer Sicht betrachten und erfahren (andere Welten)

Unsere Sicht auf das Geschehen in der Welt beruht mehrheitlich auf der Logik, die teils gut begründet ist, teils unsere Gewohnheiten/Wertungen bestätigen oder einfach unseren Vorteil untermauern. Bei komplexeren Systemen kann von einem Versagen der Logik gesprochen werden. Mit der energetischen Sicht erhalten wir neue und teilweise überraschende Einsichten zum Geschehen und deren Zusammenhänge in unserer Welt. Der energetische Zugang ist frei von Wertungen, sozialen Hierarchien, gibt allen Beteiligten das gleiche Gewicht und umfasst das Bewusste und das Unbewusste des Menschen. Mit der energetischen Herangehensweise kann z.B erklärt werden, weshalb chronische Schmerzen eine Schutzfunktion erfüllen und deshalb einen Sinn haben, weshalb Müdigkeit mit einem Zustrom von Energie in den Körper einhergeht (bei chronischer Müdigkeit jedoch nicht aufgenommen wird) und weshalb Beziehungen gelingen können oder eben nicht.

11) Verarbeitung der Leiden ohne Wiederholung
Ursachen der Leiden finden, die das Leiden auslösen

Die Vorstellung von Leben und Leiden und dessen Linderung unterliegt wechselnden kulturellen Vorstellungen. In der Holistischen Betrachtung ereignet sich unser Leben in mehreren, unterschiedlichen Systemen. Diese Systeme sind in sich stets im Gleichgewicht, was jedoch für dessen Teile nicht zutreffen muss. Und diese Ungleichgewichte werden als Leiden bezeichnet, wenn sie sich körperlich manifestieren.

Jedes Leiden hat seine Auslöser. Das Bestimmen dieser Auslöser gehört zu den Kernkompetenzen des Therapeuten. Zuerst wird das System bestimmt, in welchem das Leiden eingebettet ist. Danach wird die Beziehungs-Gestaltung untersucht und zum Schluss sind die Prozessschritte festzulegen.

12) Wahrnehmung der Existenz des Menschen in den verschiedenen Ebenen

Der Mensch existiert in den Ebenen der Realität und der Wirklichkeit und hat Zugang zur Wahrheit. Die Ebene der Wahrheit beinhaltet den Zugang zum Bewusstsein und dem All-Einen. Die Ebene der Wirklichkeit umfasst das Selbst, den freien Willen und das Unbewusste und in der Realität finden sich die Erfahrungen und der stoffliche Körper. Die Erinnerungen und der Intellekt werden in der Holistischen Betrachtung ausserhalb der Existenz angesiedelt, da sie objektive Grössen und damit statische Zustände repräsentieren.

13) Annehmen des Wachstums

Wachstum ist ein steter Prozess der Anpassung an die Situationen mit gleichzeitigem Aufnehmen von Lebensenergie. Wachstum erfolgt in Stufen, das heisst, dass nach einer Phase des Wachstums stets eine Zeit der Konsolidierung folgt. Die Wachstumsphase ist geprägt durch fehlende Orientierung und ist möglicherweise mit einer Sinnkrise verbunden.

14) Über sich schmunzeln können

Der Mensch ist so, wie er ist und wird auch von den meisten Mitmenschen geschätzt und akzeptiert. Veränderungen ohne äusseren Druck oder Leiden gehören ohnehin zu den anspruchsvollsten Projekten in unserem Leben. Die Anwendung der Holistischen Betrachtung kann uns mit unseren Gewohnheiten, Ideen und starren Vorstellungen und Denkmustern konfrontieren, die wir bei uns selber und anderen Menschen ablehnen. Wir können dabei gelassen reagieren, unseren Anspruch auf Perfektion reduzieren und vielleicht über unsere Kurzsichtigkeit, ev Blindheit schmunzeln.

 

Was wird mit der Holistischen Betrachtung nicht gelehrt?

Es gibt Fragen, die mittels der Holistischen Betrachtung beantwortet werden können. Diese sind qualitativer Art und sind Fragen nach Beziehungen, nach Regeln, nach Erfahrungen und der Wahrnehmung. Diese Fragen werden meistens mit „wie“ eingeleitetet. Dann gibt es Fragen, die mit der Holistischen Betrachtung nicht beantwortet werden können, da sie nur objektive Antworten zulassen.

Keine Antwort haben damit Fragen nach der richtigen Technik, um bestimmte Probleme zu lösen, Fragen zur objektiven, richtigen Betrachtung des Menschen als logisch funktionierendes System, Fragen nach Zielen, die erreicht werden müssen und alle Fragen nach stabilen Fakten und Wissen. Diese Fragen werden meistens mit „warum“ oder mit „wann“ eingeleitet.

 

Voraussetzungen für die Weiterbildung

Die Reihenfolge vermittelt die Wichtigkeit der einzelnen Punkte

1) Bereitschaft, die Wahrnehmung zu schulen und sich auf eine Veränderung einzulassen
2) Interesse am eigenen Wachstum
3) Erfahrung und Freude bei der Arbeit mit Menschen
4) Abgeschlossene Ausbildung in Therapie oder Beratung
     Bsp: Psychotherapie, Coaching, Körpertherapien, Ergotherapie