Die Bedeutung von Holistisch

Holismus [1] bedeutet die Ganzheits- und Zweckbetrachtung des biologischen Lebens. Je nach Definition, was die Ganzheit umfassen soll, verändern sich die Anforderungen an eine Beschreibung. Die Bedeutung von Holistisch, wie der Begriff im folgenden Text verwendet wird, bedeutet, dass alles miteinander verbunden ist und dass es im Wesen des Menschen nichts gibt, was unabhängig vom Ganzen existiert. Dieses Ganze beinhaltet somit das Denken, Fühlen und Erfahren einer Situation durch den Menschen, wie z.B. aktuell, beim Lesen dieses Textes. Mit dem Bewusst­werden der Gedanken, Gefühle und Erfahrungen zu diesem Text, sowie der nachfolgenden Handlungen im Umgang damit, erschliesst sich diese Ganzheit, die sich für jeden Leser verschie­den gestalten wird. In letzter Konsequenz ist auch die Existenz der Welt in Verbundenheit mit dem Menschen zu betrachten. Damit unterscheidet sich ein holistischer Ansatz grundlegend vom objektiven Denken, welches eine Trennung zwischen Subjekt und Objekt postuliert.

[1] Die Holographie ist ein photographisches Verfahren zur Darstellung von räumlichen Gegenständen. Zu den besonderen Eigenschaften dieser Bilder gehört es, dass sich beim Ortswechsel des Betrachters die Perspektive exakt wie bei der Wahrnehmung eines räumlichen Gegenstandes verschiebt und dass jedes Teil eines zerschnittenen Hologramms das ganze Bild zu rekonstruieren erlaubt, wenn auch mit verringerter Auflösung.

Das a priori in der Holistischen Betrachtung

Das a priori [2] in der Holistischen Betrachtung ist die Annahme, dass der Mensch auf der Ebene der Wahrheit vollkommen ist. Indem der Mensch seine Vollkommenheit (in der Wahrheit) anerkennt, gibt es nichts mehr zu entdecken, was nicht bereits vorhanden ist, es ist alles vollständig. Der Mensch in seiner Vollkommenheit hat nichts mehr zu tun. Natürlich gibt es viele Hindernisse in der Wirklichkeit. Eine Vielzahl von Prägungen und Glaubensmustern hat Barrieren gebildet zwischen dem Leben und dem was der Mensch in Wahrheit ist. Auf der Ebene der Wahrheit ist der Mensch vollkommen, das Leben dieser Welt findet jedoch in der Wirklichkeit und der Realität statt.

[2] Ein a priori ist in der Philosophie eine Annahme, die von der Erfahrung oder Wahrnehmung unabhängig ist, es ist aus der Vernunft durch logisches Schliessen gewonnen. Es sind Annahmen in Konzepten, die als stimmig und schlüssig anerkannt sind, letztendlich aber nicht belegt oder bewiesen werden können.

Konzept der Holistischen Betrachtung des Menschen

Das folgende Konzept ist eine Ganzheitsbetrachtung, also holistisch im obigen Sinn, für das «Menschsein in der Welt». Eine Betrachtung, in der das Ganze vollständig enthalten sein soll, ist mit Zeichen und Symbolen nur in Ansätzen möglich. Das bedeutet, dass das Ganze von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet werden muss, ohne dass alle Standpunkte berücksichtigt werden können. Die zentralen Elemente, welche miteinander verwoben sind und je einen Standpunkt darstellen, sind in der folgenden Abbildung dargestellt. Es sind dies das Mensch-Sein, das Selbst-Sein und das Wachstum, jeweils individuell wahrnehmbar auf den Ebenen der Wahrheit, der Wirklichkeit und der Realität.

Konzept der Holistischen Betrachtung des Menschen

Das Leben des Menschen ist eingewoben in die Wahrheit, die Wirklichkeit und die Realität. Sein Ausdruck ist Mensch-Sein, Selbst-Sein und Wachstum. Das Leben ist immer subjektiv. Der Mensch existiert aus den Energien der Wahrheit und erlebt sich in seiner Realität.

 

Die Wahrheit umfasst die Schöpfung des Lebens, dessen Gesetzmässigkeiten und die Gegenwart. Sie beinhaltet alle Lebensformen, die der Mensch in seiner Welt erfahren kann. Die Inhalte der Wahrheit werden vom Selbst in die Wirklichkeit vermittelt.

Die Wirklichkeit ist die Ebene des Selbst mit dem freien Willen und dem Unbewussten. Das Selbst bestimmt die innere Ordnung (Beziehungs-Gestaltung) des Menschen und stellt den Kontakt zum Bewusstsein her. Dies ist auch die Ebene der Psyche.

In der Realität ereignet sich die menschliche Erfahrung der Welt. Jeder Mensch erfährt sein eigenes Innenleben (Psyche), so wie es ist und nicht etwas Äusseres. In seinem Gegenüber kann der Mensch sein Inneres gespiegelt sehen und sich damit erkennen. Das Erfahren der Erkennt­nisse kann er zulassen oder ablehnen.

Das Mensch-Sein ist durch unsere Anwesenheit gegeben. Zentral dabei ist das Aufnehmen des Bewusstseins, um den Menschen zu erkennen, der ich bin. Dieses Erkennen äussert sich in den Emotionen und dem leiblichen Sein (Raum einnehmen) und ist Antrieb für das Denken und Handeln. Das Aneignen der Emotionen und des Leibes sind die Erfahrungen.

Das Selbst-Sein bedeutet, aus sich selber, also selbstbestimmt zu leben. Dazu gehört, die eigene Existenz anzuerkennen, das Ich bin ein Mensch sich anzueigenen und dieses Menschsein zu fühlen. Das Selbst-Sein ist ein stetes Annehmen des Menschen, der ich bin, was eine fortdauernde Bewegung, ein stetes Wachstum beinhaltet. Das Selbst ist damit kein bestimmbares Objekt, sondern eine Wesenheit, die sich eine Bewusstseinsebene gewählt hat.

Das Wachstum ist die Rückbesinnung auf unsere eigene Vollkommenheit. Es beinhaltet das Wahrnehmen des Prozesses sowie dessen Aneignen, was sich in der Präsenz und der Motivation äussert. Im Wachstum erfährt der Mensch seinen Raum in der Welt.

Mit dem oben dargestelten Konzept soll verdeutlicht werden, dass der Mensch auf allen Ebenen in verschiedenen Zuständen existiert und sich erfahren kann. Damit ist jede Wahrnehmung, alle Erfahrungen, alle Äusserungen und Prozesse ein Ausdruck des einen Menschen und in diesem System als sinnhaft zu betrachten.

Das Selbst-Sein (die Entwicklung des Selbst)

Das Konzept basiert auf Erfahrungen in der therapeutischen Arbeit.

Das Selbst-Sein (die Entwicklung des Selbst)

Das Selbst-Sein oder die Entwicklung des Selbst ist ein Weg in die Selbstbestimmung. Mit dem freien Willen bestimmt der Mensch seine Erfahrungen und er kann eine Uebertragung von neuen Mustern aus dem Bewusstsein auf das Selbst initiieren. Das Unbewusste beinhaltet ausschliesslich Muster der Familie und Gesellschaft.

 

Der Weg in die Selbstbestimmung wird durch den freien Willen gesteuert. Der Weg besteht darin, aus dem Bewusstsein neue Muster ins Selbst zu übertragen, diese Muster im Selbst zu erfahren und mittels einer vollständigen Erfahrung im stofflichen Körper zu integrieren. Dieser Weg wird jedoch durch viele Barrieren wie unbewusste Vorstellungen und Gewohnheiten behindert. Dies betrifft besonders den freien Willen, die Wahrnehmung und die Bedeutung des stofflichen Körpers. Der freie Wille benötigt eine störungsfreie Entwicklungszeit von 3 bis 5 Jahren. Zudem bezieht sich der freie Wille nicht zwingend auf das eigene Selbst, sondern kann sich auf das Unbewusste, die Erfahrungen oder den stofflichen Körper beziehen und, zumindest in der Kindheit, auf das Unbewusste, die Erfahrungen oder den stofflichen Körper der Eltern. In diesen Fällen ist die Wahrnehmung und der Kontakt zum Bewusstsein blockiert. Die Bedeutung des stofflichen Körpers unterliegt wechselnden Vorstellungen und Ansprüchen. In der Holistischen Betrachtung ist er nicht der Ausgangspunkt für die Selbstbestimmung, er ist das Gefäss für alle Erfahrungen. Im stofflichen Körper können die Prozesse unmittelbar wahrgenommen werden und dem Menschen die Erkenntnisse vermitteln, wer er ist. Mit dem stofflichen Körper kann der Mensch seine Selbstbestimmung zum Ausdruck bringen.

Das Wachstum

Das Wachstum beschreibt die Prozesse, das Fliessen der Energien zwischen den Ebenen der Wahrheit, der Wirklichkeit und der Realität. Dieses Fliessen des «Lebensflusses» beinhaltet mehrere Richtungen gleichzeitig. Er kann von der Wahrheit her, also von oben nach unten fliessen und gleichzeitig von der Realität her, von unten nach oben. Ein Prozess beinhaltet stets beide Richtungen.

Eine Phase des Wachstums kann mit folgenden Schritten beschrieben werden. Der Mensch ist präsent, er ist sich seiner Situation und dem Thema im Klaren. Mit dem freien Willen gibt er sein Thema ins Bewusstsein und nimmt vom Bewusstsein ein neues Muster im Selbst an. Dieser Vorgang kann als Energie-Übertragung bezeichnet werden. Das Thema wird im Selbst und über den freien Willen im Körper erfahren und in der Stofflichkeit integriert. Was als eine Folge von Schritten beschrieben ist, ereignet sich stets als Ganzes. Das Geben, das Nehmen und die Erfahrungen geschehen gleichzeitig innerhalb eines Zeitrahmens.

Die therapeutische Arbeit aus Holistischer Sicht

Die therapeutische Arbeit orientiert sich an den Themen des Klienten, an dem, was dem Klienten in seinem Leben sinnvoll und wichtig ist. Dabei stehen die Aspekte des Bewusstseins und des Selbsterlebens im Vordergrund. Der Therapeut stellt sich als „Mensch in Beziehung“, und somit gleichberechtigt mit dem Klienten, zur Verfügung. Zwei in Beziehung stehende Menschen erzeugen ein neues, energetisch dynamischeres Feld, als ein Mensch alleine. In diesem Feld können die Prozesse schneller und vollständiger fliessen, da mehr Energie und die Ressourcen des Klienten und des Therapeuten verfügbar sind. In dieser neuen, energetischen Umgebung, soll der Therapeut die Führung übernehmen, da er sich auf den menschlichen Pfaden und Irrwegen auskennt und mit dem Klienten zusamen den Weg des Klienten geht. Hier kann, bildlich genommen, die Arbeit des Bergführers herangezogen werden.

Die therapeutische Arbeit steht somit in einem engen Zusammenhang mit der individuellen Entwicklung des Therapeuten. Er sollte nur jene Erfahrungs-Muster in die Therapie einbringen, die die Möglichkeiten des Klienten erweitern. Die vom Therapeuten selbst erfahrene Lebendigkeit, sein Wohlbefinden und sein Gleichgewicht mit einem Thema oder einer Situation ist für den Klienten ein energetisches Muster, das er annehmen oder ablehnen kann. Es ist davon auszugehen, dass die Klienten in der Therapie sich an den energetischen Muster des Therapeuten orientieren und diese als absolut nehmen. Indem der Therapeut an seiner eigenen Entwicklung arbeitet, vergrössert er gleichzeitig sein „Angebot“ an energetischen Mustern. Man könnte von einem „Therapeuten­zentrierten Ansatz“ sprechen.

In der holistischen Arbeit soll immer in der Gegenwart gearbeitet werden, da nur in der Gegenwart Veränderungen möglich sind. Reflexionen und kognitive Erkenntnisse sind zwar von vielen Menschen gewünscht, da sie für ihre Leiden gerne eine Erklärung hätten. Solche Einsichten bewirken jedoch kaum Veränderungen, da ihnen eine entsprechende körperliche Erfahrung fehlt. Die Präsenz, das Sein im Hier & Jetzt, ist in der therapeutischen Arbeit für den Klienten (und den Therapeuten) das zentrale Element. Alle Ereignisse werden jetzt, in diesem Moment, erfahren. Leidvolle Erfahrungen aus der Vergangenheit werden vergegenwärtigt und in der Präsenz mit den Ressourcen des Therapeuten und des Klienten neu erfahren.

 

Die neuen Ansätze in der Therapie

1) Schulung der Wahrnehmung

Die Holistische Betrachtung des Menschen bedingt eine gründliche Schulung der Wahrnehmung, zum einen die Wahrnehmung selber und zum anderen eine verständliche Kommunikation des Wahrgenommen. Dies beinhaltet das Wahrnehmen und Differenzieren der Empfindungen, das Erleben der Emotionen und das Erfahren von Themen. Neben der Eigen-Wahrnehmung, sollte der Therapeut auch das Erleben und die Erfahrungen des Klienten wahrnehmen und das Eine vom Anderen unterscheiden können.

2) Das Selbst-Sein (Entwicklung des Selbst)

Das Wachstum des Selbst-Seins wird vom freien Willen des Menschen gesteuert und bezieht alle Aspekte des Menschen und die Bedingungen der Familie und Gesellschaft in der Welt mit ein. Wachstum wird verstanden als ein steter Prozess ohne Anfang und ohne Ende. Das Selbst-Sein kann damit keine Entwicklung durchlaufen und deshalb kein Ziel erreichen. Das Wachstum des Selbst kann erlebt, erfahren und so gesteuert werden, dass das Gefühl der Zufriedenheit im Leben vorherrschend ist.

3) Therapeutische Beziehungs-Gestaltung

Die Begegnung zwischen Therapeut und Klient äussert sich in verschiedenen Beziehungs­formen. Dabei trägt der Therapeut die Verantwortung für die Beziehungs-Gestaltung, welche während einer Sitzung mehrfach wechseln kann. Die Gestaltung einer Sitzung geht von einer gleichberechtigten Beziehung unter Erwachsenen aus. Während der Sitzung wird die Beziehung stets der Situation angepasst, indem der Therapeut dem Klienten oder der Klient dem Therapeuten nachfolgt. Ein klarer Wechsel in der Beziehungs-Gestaltung, von der Beziehung zur Bindung (Eltern-Kind Beziehung), findet in den Prozessphasen statt. Während diesen Phasen übernimmt der Therapeut die Verantwortung für sich und den Klienten. Es ist die Aufgabe des Therapeuten, die Veränderungen beim Klienten zu erkennen und die angemessene Beziehungs­form anzubieten.

4) Wachstum und Bindung

Das Wachstum des Menschen kann sich in zwei Formen erreignen. Zum einen in einer Bindung zu einem Menschen und zum anderen in der Bindung zum Bewusstsein. In der Bindung zu einem Menschen wird das gegenwärtig Vorhandene weitergegeben, so wie es in der Eltern-Kind Beziehung geschieht. In der Bindung zum Bewusstsein werden neue Muster ins Selbst übertragen, die für den Klienten förderlich sind. Während der Therapie gelangen beide Formen zu Anwendung. Die Erste, weil sie nicht zu vermeiden ist und die Zweite, weil sie das Wachstum des Klienten in seinem Sinne unterstützt. In den Prozessen wird das Annehmen der neuen Muster des Klienten sowie deren Integration in den stofflichen Körper durch den Therapeuten vorgelebt.